URL: www.caritas-zentrum-ludwigshafen.de/aktuelles/presse/klare-botschaften-ohne-worte-adcfc0a1-0ac4-4698-b1d9-433cbbc0b214
Stand: 15.06.2016

Pressemitteilung

Klare Botschaften ohne Worte

Drama-Workshop 1

In seiner Heimat Syrien hat Ali Mousa 20 Jahre als Kunstlehrer gearbeitet. Nach seiner Flucht nach Deutschland hat er bis heute keine Arbeit gefunden. Seine Zeit nutzt der 43-Jährige alternativ für Kunstprojekte der anderen Art. Mit einem Dramatanz-Workshop in der Grundschule Berghausen wollte er Jugendlichen dabei helfen, ihre Erfahrungen bei der Flucht aus der Heimat darzustellen und zu verarbeiten.

Mimik und Gestik sind die wesentlichen Elemente des zweitätigen Workshops. "Sich darauf einzulassen ist schwierig für die Kinder", weiß Mousa. Trotzdem ist er zufrieden, denn er merkt ein deutliches Interesse der jungen Flüchtlinge an der Thematik. Gefühle auszudrücken, ohne Worte zu benutzen, hat er mit ihnen trainiert. Trauer, Angst, Wut, aber auch Glück und Erleichterung haben die Mädchen und Jungen zwischen sieben und 15 Jahre in ihre szenischen Darstellungen gepackt, die sie ihren Eltern am Freitagabend am Ende des Projekts vorführten.

Drama-Workshop 2

"Sie sprechen nicht so viel über den Krieg und ihre Erlebnisse", erklärt Ana Dovio-Geiger vom Jugendmigrationsdienst des Caritas-Zentrums. Zur Teilnahme motiviert hat sie die Kinder und Jugendlichen, deren Eltern von der Sozialarbeiterin betreut werden. Gemeldet haben sie sich aber freiwillig. Lobenswert ist das Engagement der jungen Menschen für Dovio-Geiger. "Sie sind sehr lieb und machen alles mit", stellt sie fest. Die Kinder kommen aus Syrien, Afghanistan, Armenien, Albanien und aus dem Kosovo.

Einstudiert hat Mousa insgesamt fünf Szenen mit den Darstellern. Die Überschriften lauten Geburtstag, Schulunterricht, Stein, Krieg sowie Polizei und Räuber. Dass der Nachwuchs die Inhalte ernst nimmt, ergibt sich beim Zusehen. Konzentriert widmen sich die Akteure dem Spiel mit Gesichtsausdruck und Körpersprache. Auch ohne Worte sind die Botschaften zu verstehen, beispielsweise, wenn das Herz zerrissen wird bei der unumgänglichen Flucht aus der Heimat oder wenn die Kraft nachlässt auf dem langen Weg in die Fremde.

Vor drei Jahren hat Mousa eine Darstellungsgruppe in Neustadt gegründet, in der die Szenen entwickelt wurden, die nun auch in Berghausen geübt werden. Der Titel des Gesamtpakets lautet "Ämä - Hoffen oder Hoffnung". Mousa betont: "Es geht darum, den Menschen hier ohne Sprache zu erklären, weshalb die Flüchtlinge in ihr Land kommen. Sie sollen erkennen, dass sie keine andere Möglichkeit hatten." Wichtig seien Workshops wie diese gerade für Kinder. "Sie lernen dadurch, dass wir gemeinsam eine Lösung finden für Probleme", macht Mousa deutlich. Dass der Dramatanz bei der Bewältigung der kindlichen Traumata helfen kann, ist für Dovio-Geiger eine weitere wichtige Aussage.

Mousa begleitet die jungen Menschen, die allesamt in Römerberg zur Schule gehen, bei ihren Einsätzen auf der Bühne auf der Trommel. Musik setzt zwischendurch aus Lautsprechern ein, Geräusche wie Sturm oder Maschinengewehre untermalen die wahren Geschichten, die die Jugendlichen den Erwachsenen eindrucksvoll vor Augen führen.

"In erster Linie geht es um das Thema Integration", fasst Dovio-Geiger zusammen. Für die Kinder geht es noch tiefer. In zwei Tagen haben sie gelernt, sich ihren Empfindungen zu stellen und ihnen Ausdruck zu verleihen - ganz ohne die mühsame Suche nach den richtigen Worten.


 

Copyright: © caritas  2018