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Stand: 15.06.2016

Pressemitteilung

“Viele Kollegen haben uns beneidet“

Frau Andreas und Frau CzodrowskiBirgit Andreas (links) und Beate Czodrowski

Im August endet nach zwei knapp Jahren im Caritas-Zentrum in Ludwigshafen ein Novum: die geteilte Leitung des Zentrums durch Birgit Andreas und Beate Czodrowski.  Birgit Andreas wechselt in die Zentrale des Caritas-Verbandes Speyer in die Qualitäts- und Projektsteuerung der Abteilung Soziales. Beate Czodrowski leitet von da an das Caritas-Zentrum alleine.

Das Projekt endet nicht, weil es gescheitert wäre - ganz im Gegenteil: Birgit Andreas war und ist  froh über die Möglichkeit, die Leitung zu teilen: "Als Chefin ist man häufig Einzelkämpfer. Eine geteilte Leitung ermöglicht es,  voneinander zu lernen, gemeinsam Verantwortung zu tragen, gemeinsam Ideen zu entwickeln und zu reflektieren", sagt sie. Der Mehrwert an kreativen Lösungen und neuen Ansätzen sei ein sehr hoher Gewinn, alleine schmore man dann doch eher im eigenen Saft. Ebenso empfindet sie es als wertvoll, direktes Feedback zu erhalten. "Das kann jemand Gleichrangiges einfach leichter, als ein unterstellter Mitarbeiter." Es gebe aber auch wichtige Voraussetzungen dafür, dass es klappt: "Es muss fachlich und menschlich passen. Diejenige, die abgibt, muss auch loslassen können. Gegenseitiges Vertrauen ist unerlässlich."

Gepasst hat es zwischen den beiden Frauen von Anfang an. Birgit Andreas startete alleine im August 2013, ab 15. September 2015 wurde die Leitung unter den Frauen aufgeteilt. Natürlich gab es Anfangsschwierigkeiten: Viel Zeit brauchten sie für Absprachen, Unsicherheit gab es bei den Mitarbeitern, wer denn nun "die Chefin" sei, es mussten technische Lösungen gefunden werden. So entstanden ein gemeinsamer Terminkalender und eine gemeinsame Mailadresse. Geeinigt haben sich die beiden Frauen, dass sie an einem Wochentag beide im Zentrum anwesend waren, um sich abzusprechen und gemeinsam Präsenz zu zeigen. Zweimal im Jahr  hielten sie Klausur, um losgelöst vom Alltag über Entwicklungen im Zentrum zu reflektieren. "Durch unsere geteilte Leitung sind wir große Verfechterinnen der These ,Acht Minuten Vorbereitung spart eine Stunde Arbeitszeit‘ geworden", sagt Beate Czodrowksi.

Die Leitungsaufgaben eines Caritas-Zentrums sind vielfältig: Anträge für Projekte bearbeiten, Budgetplanung, Investitionsplanung, Finanzen, Beobachtung von Fallzahlenentwicklung und rechtzeitiges Reagieren und Mitarbeiterführung. Das bedeutet auch, die richtige Person mit der richtigen Qualifikation an den richtigen Ort  zu setzen, das Team einzubinden in Strategieplanung und Zukunftssicherung. "Dazu kommt Netzwerkarbeit im Sinne von: gemeinsame Interesse ausloten, bündeln, gemeinsam sozialpolitische Themen setzen und kommunizieren sowie Finanzierungsmöglichkeiten erschließen", erzählt Beate Czodrowski. Diese Vielfalt erforderte eine gut überlegte Aufgabenteilung: Da sie vorher im Caritas-Förderzentrum St. Rafael mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet hatte, waren ihr die Themen und Strukturen der Jugendhilfe bekannt. Sie war daher für die Erziehungs-, Ehe- und Lebensberatung zuständig, ebenso für die Schwangerschaftsberatung und den Jugendmigrationsdienst. Birgit  Andreas übernahm die Bereiche Allgemeine Sozialberatung, Gemeindecaritas, Suchtberatung, Migrationsberatung. Die internen Abläufe des Caritas-Zentrums haben sich die Frauen ebenfalls aufgeteilt.

Das Modell ist auf großes Interesse und viel Zustimmung gestoßen, freuen sich Andreas und Czodrowski: Zwar war es für manche Berater vorher einfacher, weil die Zuständigkeit klarer war, "aber viele Kollegen haben uns beneidet", sagt Beate Czodrowski. Auch die Familien haben profitiert, weil die Mama regelmäßig einen freien Tag hatte, und andere Verbände, Institutionen und Abteilungen informierten sich über die Erfahrungen, um davon zu lernen.

Für Birgit Andreas endet in Ludwigshafen eine spannende Zeit. "Da die Beratungstätigkeit gut funktionierte, konnte ich mich von Anfang an darauf konzentrieren, eine arbeitsfeld-übergreifende Strategie für das Zentrum zu entwickeln", erinnert sie sich.  

Auf das gemeinsam Begonnene baut nun Beate Czodrowski auf, mit kleinen Verschiebungen: "Ich nehme eine Verlagerung der Schwerpunkte zu mehr Querschnittsthemen wahr", sagt sie und erklärt: "Migration begegnet uns beispielsweise nicht nur im Fachdienst Migration, sondern auch in der Schwangerschaftsberatung oder auch in der Allgemeinen Sozialberatung." Zudem möchte sie mehr Abstimmung mit der Stadt im Hinblick auf strategische Themen: "Gemeinsam können wir gute Entwicklungen für Ludwigshafen voranbringen zum Wohl der Menschen. Dabei geht es auch um passgenaue Angebote und Bündelung der Ressourcen."

Text und Foto: Caritasverband für die Diözese Speyer

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