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Stand: 15.06.2016

Pressemitteilung

“Die Beratung ist in Gefahr“

Eine Beraterin im Gespräch mit einer Frau.In der Arbeit der Suchtberatung geht es darum, Betroffene zu stärken sowie sie zu unterstützen, ihr Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen und ohne Suchtmittel zu meistern. KNA/Harald Oppitz

Corona ist der Grund für steigende Zahlen ratsuchender Menschen in der Suchtberatungsstelle des Caritas-Zentrums Ludwigshafen. "Kurzarbeit, drohender Arbeitsplatzverlust und finanzielle Probleme sowie soziale Isolation sorgen dafür, dass Menschen früher am Tag und häufiger zur Flasche greifen", beobachtet Yvonne Neufelt, Suchtberaterin des Caritas-Zentrums. "Trockene Alkoholiker erleiden häufiger Rückfälle."

Diese Situation lenkt den Fokus noch mehr als sonst auf die schwierige finanzielle Lage der Suchtberatungsstellen im Land Rheinland-Pfalz und bundesweit. Mit einem Aktionstag "Notruf Suchtberatung" am 4. November wollten die Träger der Suchtberatungsstellen auf diese Situation aufmerksam machen. Corona-bedingt mussten die öffentlichen Aktionen leider ausfallen.

"Wenn Land und Kommunen nicht handeln und die Zuschüsse für die Allgemeine Suchtberatung aufstocken, ist das bestehende Beratungsnetz in Gefahr", sagt die Leiterin des Caritas-Zentrums, Beate Czodrowski mit Blick auf den Aktionstag. "Wir dürfen Menschen mit einer Suchterkrankung und ihre Angehörigen nicht allein lassen. Eine umfassende Beratung vor Ort ist ein wichtiger Schritt in ein Leben ohne Suchtmittel."

"Im Caritas-Zentrum Ludwigshafen haben 2019 drei Beraterinnen auf 2,1 Vollzeitstellen 390 Kunden beraten, 2018 waren es 412", zählt Suchtberaterin Yvonne Neufeld auf. "Die Nachfrage nach Beratung steigt durch die Pandemie seit dem Frühjahr an. Eine genaue Auswertung ist allerdings erst zum Jahresende möglich."

In Rheinland-Pfalz gibt es 43 Beratungsstellen für allgemeine Suchtberatung, die jährlich rund 17.000 suchtkranke Menschen und deren Angehörige beraten. 24 dieser Beratungsstellen sind in Trägerschaft der Caritas, fünf davon im Bistum Speyer.

"Im Koalitionsvertrag der amtierenden Landesregierung wurde vereinbart, dass es Ziel der Landespolitik sei, für eine Verbesserung und somit Absicherung der allgemeinen Suchtberatung zu sorgen. Passiert ist seitdem nichts - und wird es wohl in dieser Legislaturperiode auch nicht mehr", kritisiert Czodrowski. Die Liga der Freien Wohlfahrtspflege fordere bereits seit Beginn der Legislaturperiode und entsprechend der Vereinbarung im Koalitionsvertrag eine bessere Finanzierung der Suchthilfe.

Die Zentrumsleiterin verweist auf das große finanzielle Engagement der Träger, die durchschnittlich 50 bis 60 Prozent der Gesamtkosten einer Suchtberatungsstelle stemmen. "Obwohl wir seit Jahren auf die Unterfinanzierung der ambulanten Suchtberatung aufmerksam machen, sind Zuschüsse und Fördermittel von Land und Kommunen festgeschrieben", beklagt sie. "Zugleich steigen die Personalkosten, und neue Entwicklungen, etwa im Bereich Digitalisierung, erfordern mehr finanzielle Ressourcen. Und wir wissen, dass die Kirchensteuereinnahmen in den kommenden Jahren dramatisch zurückgehen werden."

Das derzeit übliche Finanzierungsmodell sieht so aus, dass das Land die Beratung in Ludwigshafen mit rund 50.000 Euro fördert. Weitere rund 27.000 Euro kommen von der Kommune. Dann gibt es noch Drittmittel in Höhe von rund 17.000 Euro und die restlichen rund 130.000 Euro finanziert der Caritasverband als Eigenanteil aus Kirchensteuermitteln.

"Suchtberatung hilft Menschen bei der Bewältigung ihrer Sucht und reduziert die gesundheitlichen und sozialen Folgen des Konsums", sagt Suchtberaterin Yvonne Neufeld. "Neben der Linderung des persönlichen Leids sind auch erhebliche volkswirtschaftliche Einsparpotentiale belegt. Auswirkungen wie psychische Erkrankungen, Pflegebedürftigkeit oder Wohnungslosigkeit können gemindert werden."

Die Forderung der Träger ist deshalb: "Suchtberatung braucht eine stabile, verlässliche und kostendeckende Finanzierung. Suchtberatung muss kommunale Pflichtleistung werden und es muss verbindliche Förderrichtlinien für alle Kommunen und Landkreise geben", so Zentrumsleiterin Czodrowski.

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