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Stand: 15.06.2016

Pressemitteilung

“Ich kann doch meine Mutter nicht verpetzen“

„Ich habe unsere Schülerinnen und Schüler noch nie so ruhig erlebt!“ Diese Aussage von Ben Becheikh, Stufenleiter in der Karolina-Burger-Realschule plus in Ludwigshafen, war ein großes Lob für die drei Akteure der Theaterwerkstatt Heidelberg. Die Konzentration der Siebtklässler war aber nicht nur dem guten Schauspiel geschuldet, sondern vor allem dem Thema: Es ging um Sucht.

Viola Luther, Mitarbeiterin des Caritas-Zentrums Ludwigshafen für das Thema Suchtprävention, hatte den Kontakt zur Theaterwerkstatt und zur Schule hergestellt. Ziel der Veranstaltung war, Kinder für die unterschiedlichen Formen von Sucht zu sensibilisieren und ihnen bewusst zu machen, dass sehr viele Kinder und Jugendliche – vielleicht auch in ihrem Umfeld - direkt oder indirekt davon betroffen sein könnten.

Schüler der Karolina-Burger-Realschule plus bei der Aufführung

Drei verschiedene Figuren mit ihrem persönlichen Suchtproblem stellten Sebastian Schwarz, Laura Holz und Hauke Weber-Liel den Siebtklässlern vor. In der anschließenden Besprechung zeigte sich, dass die Schüler auch die versteckten Hinweise auf Probleme, Sehnsüchte und Hoffnungen erkannt hatten.
Da war zunächst der Junge, der sich nicht traute, das Mädchen anzusprechen, in das er sich verliebt hatte. Seine Schulleistungen reichten nicht zur Versetzung, und der Vater nahm sich nicht die Zeit für ein ausführliches Gespräch. Er sagte nur immer wieder: „Enttäusch mich nicht!“ Die Hoffnung, über ein Suchtmittel all diese Probleme in den Griff zu bekommen, erfüllte sich nicht.

In der zweiten Szene ging es um einen Jungen, dessen Mutter Alkoholikerin ist. Das Geld reicht nicht für eine gesunde Ernährung der kleinen Schwester und der Junge muss sich um diese kümmern. Er schläft vor Erschöpfung in der Schule ein, traut sich nicht, jemanden nach Hause einzuladen. Die Situation wächst ihm über den Kopf, aber anvertrauen will er sich niemanden: „Ich kann doch meine Mutter nicht verpetzen, in der Familie hält man doch zusammen, ich will doch nur, dass es normal ist, wenn ich nach Hause komme!“ – Das sind seine Gedanken.

In der dritten Szene geht es um ein Mädchen, das in jeder Situation auf ihr Handy schaut, Nachrichten liest und verschickt, Videoclips anschaut. Darüber geht auch die Beziehung zu ihrem Freund in die Brüche, der das gar nicht verstehen kann.

Die Themen waren im Vorfeld von Viola Luther, der Schulleitung und der Schulsozialarbeit festgelegt worden. Auch für die Theaterwerkstatt war es wichtig, dass die Biografien nicht nur klischeehaft dargestellt werden und abschrecken. Vielmehr sollten sie verschiedene Wege zur Sucht aufzeichnen und Fehlentscheidungen und häufiges Vermeidungsverhalten aufdecken. Die Schauspieler wollten anhand von Identifikationsmöglichkeiten die Schüler anregen, die komplexen Prozesse nachzuvollziehen und Lösungen zu finden.

Im Anschluss an das rund halbstündige Theaterstück, das in der Karolina-Burger-Realschule plus seine Uraufführung hatte, tauschten sich die Schauspieler mit den Schülern aus, was sie gesehen und wahrgenommen hatten. In kleineren Workshops wurde das noch vertieft. In mindestens einer Klassenleiterstunde sollte das Thema auch noch einmal aufgegriffen werden, so der Wunsch der Theaterpädagogen.

Das Stück war zuvor in einer Art „Vorpremiere“ bereits einer Gruppe junger Erwachsener aus Suchtfamilien gezeigt worden, die ebenfalls von Viola Luther betreut wird. „Die Resonanz dort war überwältigend und sehr berührend“, berichtet Luther. In allen ersten und zweiten Klassen der Erich-Kästner-Grundschule wurde zudem das Theaterstück „Die Große Nein-Tonne“ von der Theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück gezeigt.

„Die Suchtberatung des Caritas-Zentrums hat sich für dieses Theaterstück entschieden, um Kinder darin zu stärken, ihre Gefühle zu äußern und ein positives Selbstbewusst entwickeln zu können. Denn das sind wichtige Komponenten, um einer möglichen Suchterkrankung präventiv entgegen zu wirken“, so Viola Luther. Das Theaterstück sei für die Kinder wie eine „Entdeckungsreise ins eigene Selbstbewusstsein“.

 

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