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Stand: 15.06.2016

Pressemitteilung

Mit kleinen Schritten und Kinderbetreuung zum Erfolg

Sprache – wichtigstes Mittel, um sich mitzuteilen, mit anderen in Kontakt zu kommen, das eigene Leben zu organisieren. Und sich zu integrieren. Schon seit vielen Jahren organisieren Mitarbeiter der Fachdienste Migration und Integration in den Caritas-Zentren Kurse zum Erwerb der deutschen Sprache. Asylsuchende erhalten seit einiger Zeit verstärkt Unterstützung. Denn viele offene, ehrenamtlich geleitete Treffs und hauptamtlich geleitete, fortlaufende Deutschkurse sind insbesondere im vergangenen Jahr zum bisherigen Angebot hinzugekommen oder ausgebaut worden.


Hat aufmerksame Zuhörer: Aylâ Erten-Gebhardt beim Sprachkurs
für das Caritas-Zentrum Landau.

Es ist Mittwoch, kurz nach 10 Uhr. Sieben Männer und eine Frau haben sich in einem Klassenzimmer der Edenkobener Gesamtschule versammelt. Sie sitzen auf kleinen Stühlen, auf denen üblicherweise Kinder im Alter zwischen sechs und zehn Jahren Platz nehmen. An den niedrigen Tischen stoßen sich die Erwachsenen hin und wieder die Knie. Trotzdem verfolgen sie den Unterricht von Aylâ Erten-Gebhardt konzentriert. Die Deutsche mit türkischen Wurzeln hat Arbeitsblätter ausgeteilt. Darauf sind Zeichnungen von alltäglichen Gegenständen zu erkennen: Ein Sofa, ein Sessel, eine Lampe und einiges mehr. Die Teilnehmer hören zu, wie Aylâ Erten-Gebhardt die Worte ausspricht.

„Zu Beginn ist es wichtig, den Wortschatz aufzubauen“
Dann ist jeder einzelne an der Reihe, den deutschen Begriff zu wiederholen. Bei komplexen Bildern wie beispielsweise eines Einfamilienhauses mit Haustür, Fenstern, Hausdach-Antenne wird diskutiert: In fremd klingenden Worten überlegen die Schüler gemeinsam. Aylâ Erten-Gebhardt lässt ihre Schüler ein wenig zappeln, dann nimmt sie den Faden auf und diskutiert mit, diesmal in türkischer Sprache. „In dieser Klasse habe ich Teilnehmer, die erst vor ein paar Wochen aus dem Iran und Pakistan nach Deutschland gekommen sind“, berichtet sie. „Türkisch ähnelt Farsi – der Landessprache des Iran“, sagt sie. Auf Türkisch erklärt sie Begriffe, die die Teilnehmer nicht zuordnen können. „Zu Beginn ist es wichtig, den Wortschatz aufzubauen“, sagt die studierte Industriedesignerin, die vor vielen Jahren mit ihrem Mann aus Düsseldorf in die Pfalz gekommen ist. Die wesentlichsten deutschen Wörter rund um den menschlichen Körper und die Begriffe zu Gegenständen des Alltags stünden dabei im zentralen Interesse der Lernenden. „Und die Teilnehmer wollen wissen, wie man Formulare ausfüllt“, erzählt sie. Für die Designerin, die seit ihrer Studienzeit die deutsche Sprache vermittelt – damals unterrichtete sie Kinder, die mit ihren Eltern aus Jugoslawien geflüchtet waren – sei es keine Frage gewesen, in der aktuellen Situation das Entwerfen von Mode zugunsten des Unterrichtens einzuschränken. „Das ist jetzt wichtiger“, sagt die Freiberuflerin, die derzeit als Honorarkraft für das Caritas-Zentrum Landau tätig ist.


Zu Beginn eines Sprachkurses wird der Wortschatz aufgebaut.

In Edenkoben leitet sie immer mittwochs den Anfänger- und Fortgeschrittenenkurs. In Landau findet jeden Montag ebenfalls ein fortlaufender Deutschkurs statt. „Seit mehr als zehn Jahren bieten wir Deutschkurse für Menschen mit Migrationshintergrund an“, berichtet Bruno Kühn, Leiter des Caritas-Zentrums Landau. Die Kurse, die zwischen 60 und 100 Unterrichtseinheiten umfassen und zu denen sich im Durchschnitt 14 Teilnehmer anmelden, würden aus Mitteln der Katholischen Erwachsenenbildung und Spendengeldern finanziert, berichtet er über die Finanzierung des derzeit stark nachgefragten Angebotes.

Deutschkurse für Kinder und Erwachsene
Auch im Saarpfalz-Kreis finden regelmäßig Deutschkurse statt. „Wir haben zurzeit vier Kurse. Davon richtet sich ein Kurs speziell an Kinder, die anderen an Erwachsene“, fasst Andreas Heinz, Leiter des Caritas-Zentrums Saarpfalz die Initiativen in St. Ingbert und Homburg zusammen. Zwei Kurse würden von Fachkräften auf Honorarbasis geleitet, der Kurs für Kinder und spezifisch ein Kurs zur Alphabetisierung, in dem zunächst die lateinische Schrift vermittelt und geübt werde, berichtet Heinz. Zwei weitere Kurse würden ehrenamtlich geleitet. „Finanziert werden die Kurse, die Teilnehmer zwischen fünf und zwanzig Personen umfassen, von Stiftungsgeldern“, sagt der Zentrumsleiter, „wie etwa der Pinkawa- und der Pfister-Stiftung.“ Die Gelder würden einerseits für die Honorarkräfte, andererseits aber auch für Lernmaterialien, Fahrtkosten der Teilnehmer zum Kursort oder Getränke an den einzelnen Lernorten verwendet. Den Erfolg der Kurse sehe er in jedem Fall gegeben. „Insgesamt haben wir im vergangenen Jahr 542 Personen in der deutschen Sprache geschult“, zieht Heinz positive Bilanz. „Wir planen für dieses Jahr auch einen Kurs speziell für Frauen“, stellt er in Aussicht. Dies schließe das Angebot einer Kinderbetreuung während der Kurszeiten mit ein. „Dazu sind wir aber noch in Verhandlung“, sagt er.

Sprachkurse mit Kinderbetreuung
Dass die erfolgreiche und regelmäßige Teilnahme insbesondere von Frauen an Sprachkursen stark von der gleichzeitig angebotenen Kinderbetreuung abhängig ist, haben die Mitarbeiterinnen des Caritas-Zentrums in Kaiserslautern vor über zehn Jahren erkannt. „Wir sind die einzigen in der Diözese der Pfalz, die Integrationskurse inklusive Kinderbetreuung spezifisch für Frauen anbieten“, meldet Hans-Joachim Schulz stolz. „Unsere Fachkräfte in der Schwangerschaftsberatung hatten Ratsuchende mit merkbar schlechten Deutschkenntnissen befragt, woran es hapert“, erinnert sich der Zentrumsleiter. 2006 konnte das Leuchtturmprojekt mit Zulassung als Integrationskursträger durch das BAMF mit seither großem Erfolg starten. „Wir haben 2015 vier Integrationskurse angeboten, davon drei ausschließlich für Frauen“, sagt Beate Schmidt, Leiterin des Kaiserslauterer Fachdienstes Migration und Integration. Insgesamt hätten 85 Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Kurs erfolgreich durchlaufen. Für 2016 seien es 50 Lernende.


Die Kursteilnehmer lernen alltägliche Begriffe kennen.

Persönliches Interesse am Lernen der Sprache
Aber auch niederschwellige Angebote gehören zum Repertoire des Caritas-Zentrums im Norden der Diözese. „Wir bieten Flüchtlingskurse an und auch Deutschkurse für Frauen, die nicht geflüchtet sind“, sagt sie. „Oft ist das Interesse an der deutschen Sprache kein rein persönliches, die Frauen wollen ihre Familie unterstützen, indem sie Deutsch lernen“, weiß Schmidt. Insbesondere Mütter hätten großen Anteil an der Integrationsleistung ihrer Kinder. Oftmals wären Frauen in den Familien völlig isoliert. In den Integrationskursen aber könnten sie Kontakte knüpfen und auch einmal gemeinsame Unternehmungen planen, sagt sie.

Ergänzend zu den Sprachkursen, von denen etliche auch in den umliegenden Pfarreien etwa in Queidersbach oder in Enkenbach ehrenamtlich geleitet werden, fänden Frauen im Kaiserslauterer Mutter-Kind-Café mit Lesewerkstatt eine Möglichkeit zum Austausch. „Wenn sich die Frauen hier treffen, sprechen sie automatisch deutsch miteinander“, freut sich Schmidt über die Integrationsleistung der Frauen. „In unseren Kursen legen wir großen Wert darauf, ausschließlich in deutscher Sprache zu unterrichten“, sagt sie. Zu Beginn sei dies mühsam und die Fortschritte klein, die Erfolge später dafür aber weitaus nachhaltiger, meint die Fachbeauftragte.

„Wir schicken niemanden weg“
Auch das Caritas-Zentrum Pirmasens kann auf ein langjähriges Angebot an Deutschkursen verweisen. Ein Kurs für Erwachsene – im letzten Jahr noch von zehn Teilnehmern, 2016 schon von 20 Lernenden besucht – wird bereits seit 15 Jahren angeboten, seit März 2015 sind zwei Sprachkurse für Grundschulkinder mit ihren Müttern und Vätern neu eingerichtet worden, führt Fachdienstleiterin Elke Käfer auf. „Mit diesem offenen Angebot waren wir Vorreiter, mittlerweile haben auch viele Schulen Deutschunterricht für Flüchtlingskinder eingerichtet“, sagt sie. „Die Teilnehmerzahl insbesondere für die Kinderkurse variiert von zwei bis zu zwanzig Personen“, berichtet Sprachlehrerin Gudrun Klein, die sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagiert. Nicht nur Flüchtlinge kämen, auch andere Menschen mit Migrationshintergrund, die schon seit Jahren in Pirmasens lebten, würden dieses Angebot gerne nutzen, sagt sie. „Wir schicken niemanden weg, der sich mit um den Erwerb unserer Sprache bemüht.“ Viele Zuwanderer brächten eine ausgesprochene kommunikative Kompetenz mit, bemerkt Klein. „Diese Menschen ‚wursteln‘ sich mit wenigen sprachlichen Grundkenntnissen durch.“ Wer aber nicht über den Basiswortschatz und einfache grammatische Satzstrukturen hinauskäme, hätte keine Chance auf dem Arbeitsmarkt, benennt sie die Konsequenz.

Diese Sachlage ist Margareta Topalovic vertraut. Die Leiterin des Fachdienstes Migration und Integration des Caritas-Zentrums Ludwigshafen bietet deshalb seit 2006 weiterführende Kurse an, in denen Teilnehmende das Sprachniveau bis C1 erreichen können. „Im vergangenen Jahr haben wir mehrere Krankenschwestern geschult, die den Nachweis des Sprachniveaus für ihre berufliche Anerkennung in Deutschland benötigt haben“, berichtet sie. Zwei B2-Niveau-Kurse seien 2015 in Ludwigshafen angeboten worden, 2016 liefen bereits zwei neue an, mit jeweils 15 bis 20 Teilnehmenden, sagt Topalovic. „Bis zum Jahresende rechne ich aber mindestens mit noch zwei weiteren Kursen, wenn nicht sogar mit mehr“, so ihre Einschätzung auf die bisherige Nachfrage. „Wir können aufgrund der finanziellen Unterstützung von Seiten der Katholischen Erwachsenenbildung Kurse zu günstigeren Preisen anbieten als viele andere Institutionen. Die hauptamtlichen Lehrkräfte hätten alle die entsprechende Zulassung durch das BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) und könnten das Erreichen des Lernziels sicherstellen.

Ehrenamtliche bieten Kurse an
Wer erste Sprachkenntnisse erwerben wolle, finde über das Caritas-Zentrum in Ludwigshafen ein entsprechendes Angebot. Flüchtlingskurse würden von Ehrenamtlichen an vier Vormittagen und vier Nachmittagen pro Woche in jeweils einem der zwei Pfarrzentren im Stadtteil Oggersheim veranstaltet, erzählt Topalovic. 2015 waren es fünf, darunter auch einer spezielle für unbegleitete Minderjährige mit sechs Teilnehmern in Kooperation mit dem Ludwigshafener Jugendamt. Ihre Kollegin Stephanie Gutting arbeitet parallel an der Besetzung von Jugendintegrationskursen, die in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Bund Frankenthal angeboten werden können.

 „Wir im Caritas-Zentrum Ludwigshafen haben keine entsprechende Zulassung beantragt, sind aber seit 2015 eng mit dem Internationalen Bund vernetzt“, sagt Stephanie Gutting mit Blick aufs vergangene Jahr. „Auch seit Anfang 2016 ist ein Kurs im Programm, ab April beginnt ein nächster“, so ihre Vorschau. Zudem ist die Mitarbeiterin Ansprechpartnerin für ehrenamtlich geleitete Flüchtlingskurse in Speyer und Römerberg. „Ganze sechs Kurse sind in Speyer in der Planung, vier für Römerberg, finanziert über Landesmittel und den Flüchtlingshilfefond“, stellt sie – wie alle anderen Zentren in der Diözese – den Bedarf für dieses Jahr in Aussicht.

Kontakt

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Telefon 06841 / 93485-0‘
E-Mail: caritas-zentrum.saarpfalz@caritas-speyer.de
Internet: www.caritas-zentrum-saarpfalz.de

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Engelsgasse 1
67657 Kaiserslautern
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