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Stand: 15.06.2016

Pressemitteilung

Wie entscheiden, wenn das Baby behindert sein wird?

Filmszene: Die schwangere Mutter liegt im Bett.

Der Film hat beim Filmfestival bereits viele Menschen berührt, nun kommt er bundesweit in die Kinos: „24 Wochen“. Er beleuchtet das Schicksal eines Paares, das in der 24. Schwangerschaftswoche erfährt, dass ihr Kind voraussichtlich mit einer schweren Behinderung geboren wird. Caritas-Schwangerschaftsberaterinnen kennen solche schwierigen Situationen aus der Praxis. 

Rund 450 Frauen oder Paaren suchen pro Jahr die Schwangerschaftsberatung im Caritas-Zentrum Ludwigshafen auf. Bei etwa einem Drittel spielt die Frage nach Pränataldiagnostik –also vorgeburtlichen Untersuchungen – eine Rolle, wissen Pia Giammeluca und Monika Rinder, Schwangerschaftsberaterinnen im Caritas-Zentrum. „Ärzte bieten Frauen heute deutlich mehr vorgeburtliche Untersuchungen an mit der Begründung, das sei gut für sie und für ihr Kind“, kritisiert die Diplom-Sozialpädagogin Giammeluca. Die Frauen seien dann oft verunsichert. „Es ist wichtig, mit den Frauen zu besprechen, was sie wirklich wissen wollen, und wie sie mit diesem Wissen dann auch umgehen“, sagt Giammeluca. „Manche wollen einfach nur guter Hoffnung sein – und werden dann in dieser Haltung verunsichert.“ 

Ihre wichtigsten Aufgaben bringen die beiden Beraterinnen so auf den Punkt: „Frauen wollen die richtigen Entscheidungen treffen. Wir helfen ihnen zu lernen, wie sie dahin kommen.“ Und sie machen den Betroffenen klar: „Wir stärken ihnen den Rücken, egal wie sie sich entscheiden.“ Die eigene christliche Grundhaltung und ihr Wertesystem spielen dabei eine wesentliche Rolle: „Wir beraten zum Leben“. Denn die Frauen müssten Entscheidungen treffen, in denen sie zwischen ihrem Leben und dem des Kindes abwägen, und bei denen sie ihre Ressourcen und Grenzen entdecken. Die Beraterinnen machen ihnen deutlich: Es gibt immer mehrere Lösungen, die es zu entdecken und zu bewerten gilt. 

Den Film „24 Wochen“ haben Pia Giammeluca und Monika Rinder  noch nicht gesehen. Sie sind froh, dass es ihn gibt, denn „so wird über das Thema öffentlich gesprochen“. Und das in einer Gesellschaft, „in der es um den perfekten Menschen geht und um die Idee, dass Medizin alles möglich macht“, ergänzt Monika Rinder. 

Beide Beraterinnen erinnern sich an werdende Mütter, die ähnliche Diagnosen hatten, wie die Protagonistin des Films. „Das Wort Spätabbruch klingt so verharmlosend“, kritisiert Rinder. Tatsächlich dürfen Frauen bei dem Risiko einer Behinderung des Kindes auch noch nach der 12. Schwangerschaftswoche einen Abbruch vornehmen lassen – und wissen oft nicht, dass sie dieses Kind normal gebären müssen.  Eine Frau, erinnert sich Pia Giammeluca, entschied sich erst ganz am Ende ihrer Schwangerschaft gegen das Kind. Ein Paar ließ einen Abbruch vornehmen, weil die werdenden Eltern davon ausgehen mussten, dass ihr Kind keine reelle Überlebenschance haben würde und schwierige Operationen direkt nach der Geburt anstehen würden – und wieder eine andere Mutter entschied sich in derselben Konfliktsituation für ihr Kind. 

„Das lässt uns auch nicht los“, räumen die beiden Frauen ein. Für sich selbst sorgen sie durch gute Gespräche und Supervision. Den Müttern signalisieren sie, dass sie immer für sie da sind – auch nach der Geburt oder einem Abbruch. Manche dieser Frauen sehen sie nach ihrer Entscheidung wieder – in einem Fall bei einer erneuten Schwangerschaft, die geprägt war von vielen Ängsten und schlechtem Gewissen. Sie mündete in die Geburt eines gesunden Kindes.                                                   

Herausgegeben vom Caritasverband für die Diözese Speyer
Text: Brigitte Deiters / Foto: www.24stunden.de 

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