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Stand: 15.06.2016

Pressemitteilung

"Zusätzliche Bundesförderung ist dringend nötig"

MdB Torbjörn Kartes zu Besuch im CZ Ludwigshafen

"Das muss man sich genau anschauen!" - Torbjörn Kartes, seit einem Jahr CDU-Abgeordneter des Bundestags, war ganz aufmerksam auf das, was ihm im Caritas-Zentrum Ludwigshafen aus den Fachbereichen Jugendmigrationsdienst (JMD) und Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer (MBE) berichtet wurde. Besonders interessierte er sich für Fragen rund um Schule, Ausbildung und Beruf - man spürte, dass er direkt von einer Visite bei der Agentur für Arbeit kam.

Eingeladen wurde er von der Leiterin des Caritas-Zentrums, Beate Czodrowski, aus einem besonderen Grund: Wie bereits vor einigen Wochen beim Besuch der SPD-Abgeordneten Doris Barnett ging es ihr darum, den Politikern vor und während der Haushaltsberatungen im Bund deutlich zu machen, dass die Migrationsdienste in ganz Deutschland dringend eine zusätzliche Bundesförderung benötigen. Denn in den vergangenen Jahren sind die Beratungszahlen bundesweit stark angestiegen: Bei den Jugendlichen im Alter von zwölf bis 27 Jahren von 65.909 im Jahr 2013 über 91.834 in 2015 bis auf 126.163 im vergangenen Jahr. Bei den erwachsenen Zuwanderern ist die Entwicklung ähnlich: von 158.010 Beratungen (2013) über 260.000 (2015) auf 301.417 im Jahr 2017.

Auch das Caritas-Zentrum Ludwigshafen stößt mit den vier Mitarbeiterinnen an seine Grenzen: Im Jahr 2017 hat dieser Fachdienst insgesamt 2335 (1791 in 2016) Kunden beraten. Diese Zahl teilt sich auf in 605 Personen auf den Jugendmigrationsdienst, 675 Kunden auf Migrationsberatung für  erwachsene Zuwanderer, 277 Personen auf die migrationsspezifische  Beratung von Ausländern und Aussiedlern, 129 Kunden auf die Rückkehrberatung und 649 Personen auf die Bildungsberatung  Garantiefonds Hochschule. "Rund 50 Prozent unserer gesamten Beratungstätigkeit  wird mit öffentlichen Mitteln finanziert", berichtete Czodrowski ihrem Gast, "die Hälfte erhalten wir aus Kirchensteuermitteln."  

Im Falle einer geplanten Migration ist das Thema der jugendlichen Zuwanderer meist der schulische Einstieg ins deutsche Bildungssystem, die Sprachförderung, Anerkennung der Zeugnisse und Abschlüsse sowie der Start in eine Ausbildung oder Berufstätigkeit, erläuterte Stephanie Gutting vom Jugendmigrationsdienst. Sehr schnell kam sie mit Kartes ins Gespräch über die dringendsten Probleme der Jugendlichen in dieser Phase. "Das ist ein breites Feld", so Gutting, "allein der Spracherwerb, um etwa in der Berufsschule erfolgreich zu sein, und die Anerkennung der Abschlüsse dauern lange", berichtete sie. "Das ist kein leichter Weg für die Jugendlichen, mit vielen großen Steinen dazwischen."

Wenn es sich dann bei den jungen Menschen um Geflüchtete handle, stellten auch Traumatisierung und die Sorge um die Familie und Bekannte im Herkunftsland eine große Belastung dar. Ausbildungsunterstützende Begleitung erhielten aber nicht alle Geflüchteten, kritisierte sie, "hier muss die Agentur für Arbeit unbedingt die Zielgruppe öffnen", so ihre Forderung. Jugendliche, die sich gerne integrieren und eine Ausbildung beginnen würden, würden sehr oft ihre Anfangseuphorie verlieren, wenn sie keine Begleitung erfahren, um "in der Lebenswelt Deutschland" richtig anzukommen.

Hier will sich Kartes genauer informieren, versprach er den Mitarbeiterinnen des Caritas-Zentrums. Denn in einer erfolgreichen Ausbildung für junge Zuwanderer sieht er auch eine "demografische Chance" für Deutschland. Gerade bei seinen Besuchen in ländlichen Gegenden seines Wahlkreises erfahre er immer häufiger, wie sich der Mangel an Fachkräften auf mittelständische und kleinere Betriebe existenzgefährdend auswirke.

"Bei den erwachsenen Zuwanderern ist das nicht anders", so Margareta Topalovic vom MBE: "Wenn sie nach Deutschland kommen, wollen sie arbeiten. Zu uns kommen gut ausgebildete Fachkräfte, die aber an der fehlenden Sprache scheitern." Sprachkurse, die die Zuwanderer zur Berufstätigkeit befähigen, würden aber nicht in allen Fällen finanziert. Auch in diesem Fall waren sich die Caritas-Mitarbeiterinnen mit dem Bundestagsabgeordneten einig: Wenn die Zugewanderten in Arbeit sind, werde Zuwanderung auch eher akzeptiert - ein wichtiger Beitrag gegen Fremdenfeindlichkeit.
 
Neben den fehlenden Sprachkursen gibt es ein weiteres bekanntes Problem, das die Integration und das "Ankommen" erschwere: die Wohnungsnot. Und auch die Sorge um die Familie im Herkunftsland sowie der begrenzte Familiennachzug spiele eine Rolle, wissen die Beraterinnen aus ihrer alltäglichen Arbeit: "Da sind die Gedanken ganz woanders, das erschwert die Lage zusätzlich."

Aufgrund dieser zahlreichen Herausforderungen ist eine gute Beratungsqualität unabdingbar, so Zentrums-Leiterin Beate Czodrowski. Das erfordere eine bessere personelle Ausstattung, erinnerte sie an den Anlass der Einladung an die Bundespolitiker.

Text und Bild: Brigitte Deiters für den Caritasverband für die Diözese Speyer

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